Kapitalmarktausblick 2026 - ruhig bleiben, klar positionieren

Das Jahr 2025 war geprägt von hoher Unsicherheit und entsprechend volatilen Kapitalmärkten. Politische Spannungen, geopolitische Konflikte und wirtschaftliche Gegensätze sorgten immer wieder für Nervosität. Die Richtung der Märkte bleibt auch zu Beginn von 2026 offen. Gerade in solchen Phasen ist es jedoch entscheidend, den Mut nicht zu verlieren und nicht aus Angst vorschnell zu handeln.

Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, muss Auf- und Abwärtsbewegungen als festen Bestandteil des Investierens akzeptieren. 2025 hat eindrucksvoll gezeigt, wie stark Märkte innerhalb kurzer Zeit unter Druck geraten können – und ebenso, wie schnell sie sich wieder erholen. Volatilität ist kein Zeichen von Scheitern, sondern Ausdruck lebendiger Märkte.

Zugleich wurde sichtbar, dass auch Anlagebereiche, die häufig im Schatten klassischer Investments stehen, in bestimmten Marktphasen wertvolle Beiträge zur Stabilisierung und Rendite leisten können. Beispiele in 2025 hierfür waren Investitionen in physisches Gold und Silber sowie Minenaktien, die insbesondere im Umfeld steigender Sachwertnachfrage an Bedeutung gewinnen konnten.

Ein weiteres lehrreiches Beispiel lieferte die Währungsentwicklung: Trotz politischer und struktureller Schwächen Europas legte der Euro im Jahr 2025 um rund 12 % gegenüber dem US-Dollar zu. Für europäische Anleger hatte dies spürbare Auswirkungen. Zwar erzielten die 500 größten US-Aktien im S&P 500 eine sehr gute Performance von rund 15 %, währungsbereinigt verblieb für Euro-Investoren jedoch lediglich ein Ertrag von etwa 4 %. Auch dies unterstreicht, wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtung von Risiken und möglichen Renditetreibern ist.

Langfristige Orientierung statt kurzfristiger Reaktionen 

In volatilen Marktphasen sind zwei Dinge besonders wichtig: Resilienz und eine klar ausgerichtete langfristige Strategie. Eine breite Diversifikation über verschiedene Fonds, Regionen, Währungen und ergänzende Anlageklassen schafft hierfür ein stabiles Fundament. Sie reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Marktbewegungen und hilft, emotionale Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Eine professionelle Vermögensverwaltung kann Anleger dabei wirkungsvoll unterstützen. Durch ein strukturiertes Fondsportfolio, eine systematische Streuung und eine disziplinierte Umsetzung lassen sich Chancen gezielt nutzen, ohne unnötige Risiken einzugehen. Ziel ist eine robuste Anlagestrategie, die auch in herausfordernden Jahren Bestand hat.

Grundsätzlich bleiben wir dieser Linie auch 2026 treu und setzen aktuell auf ein eher defensives Grundkonzept. Die Gründe dafür sind vielfältig: anhaltende geopolitische Risiken, eine historisch hohe – und vielfach unterschätzte – Verschuldung von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten, insbesondere in den USA, sowie erste Ermüdungserscheinungen an den Arbeitsmärkten. Hinzu kommen die weiterhin überdurchschnittlich hohen Bewertungen an den Aktienmärkten.

Diese Einschätzung spiegelt sich konkret in der Portfolioausrichtung wider. Im Rentenbereich setzen wir bevorzugt auf Fonds mit Fokus auf kurzlaufende Anleihen diverser Bonitätsstufen. Dadurch reduzieren wir die Abhängigkeit von möglichen Zinsanstiegen. Auf der Aktienseite legen wir den Schwerpunkt bewusst auf Unternehmen und Sektoren, die im historischen und relativen Vergleich eher moderat bewertet sind. Hochbewertete Wachstumswerte spielen aufgrund ihrer ambitionierten Bewertungen weiterhin nur eine untergeordnete Rolle.

 

Schulden, Bewertungen und Sachwerte – eine nüchterne Einordnung

Ein zentrales strukturelles Risiko bleibt die weltweite Verschuldung. Seit Beginn des Jahrhunderts ist der globale Schuldenstand von rund 80 auf deutlich über 300 Billionen US-Dollar gestiegen – Billionen, nicht Milliarden. Dieses Wachstum steht in keinem gesunden Verhältnis zur globalen Wirtschafts- und Produktivitätsentwicklung, insbesondere in den etablierten Industrieländern.

Die Folgen sind bereits sichtbar: Die Zinslasten der Staatshaushalte wachsen kontinuierlich. In den USA fließt inzwischen rund ein Viertel der Steuereinnahmen allein in Zinszahlungen – ohne jede Tilgung. Vor diesem Hintergrund sehen wir den Beginn einer schleichenden Vertrauenskrise in klassische Nominalwertanlagen. Viele Investoren wenden sich verstärkt Sachwerten zu. Dieser Trend könnte einen länger anhaltenden „Melt-up-Boom“ begünstigen, der jedoch immer wieder von teils deutlichen Korrekturen unterbrochen werden könnte.

Solche Rückschläge sind kein Zeichen eines Systemversagens, sondern eine normale und sogar notwendige Begleiterscheinung langfristiger Aufwärtstrends. Sie sorgen für Marktbereinigung und eröffnen langfristig neue Chancen.

Gleichzeitig mahnen die aktuellen Bewertungskennzahlen zur Vorsicht. Seit dem Tiefpunkt des Bärenmarktes im Jahr 2022 (Auswirkungen der Corona-Krise und des Inflationsanstieges) ist der S&P 500 um über 80 % gestiegen, während die Unternehmensgewinne lediglich um weniger als 20 % zulegten. Der überwiegende Teil der Kursgewinne resultiert somit aus steigenden Bewertungen – einer sogenannten Multiple-Expansion.

Auch etablierte Bewertungsindikatoren zeichnen ein anspruchsvolles Bild. Der sogenannte Buffett-Indikator, der die gesamte US-Marktkapitalisierung ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt setzt, liegt aktuell bei über 200 % – höher als zur Dotcom-Blase oder während des Pandemie-Booms. Das Shiller-KGV, das inflationsbereinigte Gewinne über zehn Jahre betrachtet, bewegt sich mit einem Wert nahe 40 ebenfalls deutlich über seinem langfristigen Durchschnitt von rund 17.

 

Differenzierung statt Index-Denken

Vor diesem Hintergrund streben wir eine ausgewogene, aktiv gesteuerte Positionierung an, die sich bewusst von der Struktur großer Indizes unterscheidet. Natürlich bietet auch dieser Ansatz keine Garantie für Gewinne und schützt nicht vollständig vor zwischenzeitlichen Verlusten. Er ist jedoch ein bewährtes Mittel, um Portfolios langfristig robuster aufzustellen und extreme Schwankungen abzufedern.

Gleichzeitig bleiben wir flexibel. Marktphasen und Opportunitäten, die eine höhere Aktienquote rechtfertigen, versuchen wir gezielt zu nutzen. So können beispielsweise temporäre Absicherungspositionen reduziert oder vollständig aufgelöst werden, um taktisch Renditechancen wahrzunehmen. Ein solches Vorgehen wurde bereits im vierten Quartal umgesetzt, als die Absicherung auf die US-Aktienmärkte aufgehoben wurde, um die Aktiengewichtung zu erhöhen.

 

Fazit

Unser Ansatz für 2026 bleibt geprägt von Ruhe, Disziplin und Differenzierung. Wir setzen nicht auf Prognosen oder kurzfristige Marktmeinungen, sondern auf eine strukturierte, antizyklische Vermögensverwaltung mit klarer Risikokontrolle. Ziel ist es, Vermögen langfristig zu erhalten, sinnvoll zu mehren und auch in bewegten Zeiten handlungsfähig zu bleiben.

 

Zum Autor

Raphael ist Experte für die ganzheitliche Begleitung von Unternehmerfamilien und verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im Kapitalmarktgeschäft sowie im Private Banking. Als Leiter des Anlageausschusses und Portfoliomanager der nunivest II strategie verbindet er fundierte Marktanalysen mit einer langfristigen, wertorientierten Anlagestrategie. Sein Fokus liegt darauf, finanzielle Stabilität und unternehmerisches Vermögen durch klare Strukturen und weitsichtige Entscheidungen dauerhaft zu sichern.

 

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Themen: Investment, Mitarbeiterbindung, Coaching, Unternehmensberatung

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