Verdrängt der Staat Investitionen des Mittelstands?

Geschrieben von Raphael Kaufmann | Feb 2, 2026 7:02:09 AM

Warum investieren mittelständische Unternehmen aktuell zurückhaltend? 

Die Investitionsschwäche im Mittelstand hat mehrere Ursachen, unter anderem:

  • Im internationalen Vergleich hohe Steuer- und Abgabelast

  • gestiegene Zinsen

  • hohe Energie- und Produktionskosten

  • geopolitische Unsicherheiten

  • Überbordende Bürokratie

  • Geschäftsführung und Gesellschafterkreis ist überaltert und hat keine Nachfolgeperspektive

Gleichzeitig ist der Staatskonsum deutlich gestiegen, vor allem für:

  • Gesundheit

  • Soziales

  • Bildung

  • Sicherheit und Verteidigung


Das führt schnell zu der Vermutung: Der Staat nimmt sich mehr – und dem Mittelstand bleibt weniger.

 

Verdrängt der Staat die Investitionen des Mittelstands?

Die Daten sprechen dagegen.

Die Analysen der KfW zeigen:

  • Der Anstieg des Staatskonsums ist international nicht außergewöhnlich

  • Es gibt keinen statistischen Beleg, dass steigende Staatsausgaben private Investitionen systematisch verdrängen

  • In anderen Ländern wachsen Staatsausgaben und private Investitionen gleichzeitig

  • Das Investitionsproblem des Mittelstands ist kein Staatsausgabenproblem.

 

Wo liegt eigentlich das Problem? 

Bei der Finanzierung.

Besonders betroffen sind:

  • innovative Unternehmen

  • digitalisierungsaktive Betriebe

  • kleinere, inhabergeführte Mittelständler

 

Quelle: KfW-Mittelstandspanel; KfW Research (2026): Innovative Mittelständler mit größeren Schwierigkeiten beim Zugang zu Investitionskrediten, Fokus Volkswirtschaft Nr. 529.

 

Laut KfW:

  • Innovative Mittelständler haben eine um 7 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit, dass Kreditverhandlungen scheitern
  • Digitalisierungsaktive Unternehmen liegen bei rund +3 Prozentpunkten

Wer investiert und transformiert, hat aktuell schlechtere Karten bei der Kreditfinanzierung.

 

Innovationen und Scheitern von Kreditverhandlungen

 

Quelle: KfW-Mittelstandspanel; KfW Research (2026): Innovative Mittelständler mit größeren Schwierigkeiten beim Zugang zu Investitionskrediten, Fokus Volkswirtschaft Nr. 529.

 

Einordnung für Unternehmer:

  • Innovation erhöht aus Banksicht das Risiko – auch wenn sie strategisch notwendig ist.
  • Finanzierungslogik und unternehmerische Realität laufen auseinander.

 

Warum gerade engagierte Unternehmer schlechter an Kredite kommen

  1. Innovation gilt als Risiko
    Innovations- und Digitalprojekte sind schwer planbar und unsicher. Banken bewerten nicht das Projekt, sondern die sichere Rückzahlung des Kredits.
  2. Fehlende Sicherheiten
    Der Mittelstand investiert zunehmend in Software, Prozesse, Know-how und Daten. Diese immateriellen Werte zählen kaum als Kreditsicherheiten.
  3. Hohe Anforderungen an die Bonität
    Um den „Innovations-Malus“ auszugleichen, wäre oft fast eine ganze Bonitätsklasse mehr nötig – für viele inhabergeführte Unternehmen unrealistisch.

 

Was bedeutet das für Unternehmer im Mittelstand?

Die wichtigste Erkenntnis lautet: Der Staat ist nicht der Hauptgegner des Mittelstands – sondern die aktuelle Finanzierungslogik.

  • Staatliche Ausgaben verbessern teils sogar die Rahmenbedingungen (Bildung, Betreuung, Infrastruktur)
  • Gleichzeitig ziehen sich Banken bei Unsicherheit zurück
  • Besonders Innovation und Digitalisierung geraten so in eine Finanzierungslücke

Was Unternehmer jetzt konkret tun können

Strategisch denken

  • Innovation und Digitalisierung bleiben notwendig
  • Abwarten schwächt langfristig die Wettbewerbsfähigkeit
  • Frühzeitig, d. h. spätestens ab Mitte 50 die eigene Nachfolge angehen

Realistisch planen

  • Bankfinanzierung nicht als Selbstverständlichkeit betrachten
  • Investitionen priorisieren, modular planen und zeitlich staffeln

Handlungsspielräume nutzen

  • Eigenkapitalbasis stärken und smarten Vermögensaufbau betreiben
  • Förderprogramme (KfW, Bürgschaften, Landesprogramme) gezielt einsetzen
  • Sicherheiten aktiv managen
  • Banken frühzeitig, transparent und strukturiert einbinden

     Zahlen, Strategie und Story müssen zusammenpassen

     

Fazit: Die wahre Investitionsbremse im Mittelstand

  • Der Staat verdrängt Investitionen nicht systematisch.
  • Innovation wird finanzierungsseitig oft eher bestraft als belohnt.
  • Die größte Herausforderung ist nicht die Idee, sondern ihre Finanzierbarkeit.
  • Wer das versteht, kann besser planen, verhandeln und investieren.

 

Quellen:

KfW Research (2026): Innovative Mittelständler mit größeren Schwierigkeiten beim Zugang zu Investitionskrediten, Fokus Volkswirtschaft Nr. 529, 21.01.2026.

KfW Research (2026): Verdrängt der Staatskonsum die Investitionen?, Fokus Volkswirtschaft Nr. 531, 28.01.2026.

 

Zum Autor

Raphael ist Experte für die ganzheitliche Begleitung von Unternehmerfamilien und verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im Kapitalmarktgeschäft sowie im Private Banking. Als Leiter des Anlageausschusses und Portfoliomanager der nunivest II strategie verbindet er fundierte Marktanalysen mit einer langfristigen, wertorientierten Anlagestrategie. Sein Fokus liegt darauf, finanzielle Stabilität und unternehmerisches Vermögen durch klare Strukturen und weitsichtige Entscheidungen dauerhaft zu sichern.

 

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